Protest gegen den Entwurfsplan „Kleiner Tiergarten – östlicher Teil“

Kahlschlag, Betonierung und Versiegelung a la Ottopark
oder
naturverträgliche, umweltschonende, klimafreundliche, denkmalgerechte, kostengünstigere und behutsame Parkgestaltung!

Von einer fertigen “Planverkündigung” war auf der Informationsveranstaltung des Bezirksamtes Mitte am 24.7.2013 keine Rede mehr – viele Einwände und Kritik der gut 100 Anwesenden, nahmen in der Debatte bis ca. 22.30 Uhr breiten Raum ein. Es war auch höchste Zeit, dass Vertreter des Denkmalschutzes scharfe Kritik äußerten, wie z.B. zu den „Sitzkieseln“. Die Genehmigung der Landesdenkmalschutzbehörde steht weiterhin noch aus.

Vor dem Podium entrollten unzufriedene Bürger zu Beginn der Veranstaltung ein Spruchband “Rettet die Bäume, Sträucher und Hecken im Kleinen Tiergarten“, und per Mikrofon gab es einen kurzen Beitrag zur Ablehnung des Entwurfsplan KTO Ost wie z.B. zu den bisher beabsichtigten Baumfällungen, Grünvernichtungen usw..

rettet die bäumeFoto: BN-M/KD.

Über die Protestaktion wurde auch in der Presse berichtet, z.B. in der Berliner Woche:

Im einzelnen richtete sich der Protest auch in einer Vielzahl von Publikumsbeiträgen auf der genannten Informationsveranstaltung zu folgenden Bereichen (Markieungen in Fett aus Flyer der BI KTO, der vor der Infoveranstaltung verteilt wurde):

  • gegen Massenbaumfällungen in weiten Teilen des KTO Ost. 110 Bäume, davon 53 große,gesunde Bäume mit langer Lebenserwartung von 30 bis 80 Jahren sollen gefällt werden
    Der vehementen Forderung nach einer gutachterlichen Baumbegehung (seit Herbst 2012 gab es keine einzige mehr) wurde vom Podium zunächst versprochen – und deren Durchführung soll erst abgestimmt werden! Eine vollständige aktualisierte Bumfällungsliste und eine vollständige Plakettenbezeichnung der für die Fällung vorgesehenen Bäume wurde zugesagt.
  • gegen den Kahlschlag in zahlreichen Hecken- und Sträucherbereichen entlang der Hauptverkehrsstraßen, am Parkcafe und um den Senkgarten herum
  • gegen unnötige versiegelte Parkwege, Wegeverbreiterungen und eine Vielzahl von neuen Durchwegungen der Randbereiche (vgl. Ottopark) sowie für den Erhalt aller Sitznischen.
    Die Podiumsvertreter hielten sich zu diesen zahlreichen Fragen bedeckt, nannten keine konkreten Antworten oder gingen nicht auf konkrete Vorschläge ein. Herr Lingenauber vom Landesdenkmalamt stellte klar, dass er sich für weniger versiegelte Bodenflächen einsetzt (Berliner Woche 31.7.2013). Kopfschütteln erhielt die Vorstellung von Herrn Stegmeier, (Büro Latz und Partner) an Stelle von 2 der 4 Sitznischen Bodenmarkierungen oder Begrenzungsteine im wassergebundenen Boden anzubringen um dem Denkamlschutz gerecht zu werden! In seiner Vorstellung versuchte er das Publikum nach der Protestaktion zu beruhigen, in dem er Beispiele nannte, dass Bürgervorschläge bereits berücksichtigt seien – auch wenn sie im vorliegenden Entwurfsplan nicht zu finden oder nur mit kleine Abänderungen zu finden sind.
    Gefordert wurde auf den Verzicht auf sämtliche neuen grauen Betonsteine und Betonheckenbegrenzungen (vgl. Ottopark und Kl. Tg. Mittlerer Teil)! Einzelne neue Durchwegungen in den Randbereichen können naturverträglich als schmaler Pfad mit 50-80 cm breiten Steinplatten, die auf den Boden gelegt werden, angelegt werden.
  • dass keine „Sitzkiesel“ und keine Betonsteine in den Kleinen Tiergarten kommen
    Herr Lingenauber erklärte, dass er mit der Anzahl und den Standorten der Sitzkiesel nicht einverstanden ist! Aus dem Publikum wurde neben den Wasserspielen (die seit den Planungswerkstätten fester Bestndteil des Entwurfsplan sind) im Senkgarten die zusätzliche Inbetriebnahme von 1 oder 2 Brunnen statt der teueren vielkritisierten Sitzkiesel gefordert!
  • für den Erhalt aller denkmalgeschützten Parkeinrichtungen
    Auf der Infoveranstaltung wurde nicht klar, warum angeblich unterschiedliche Pioritäten gesetzt werden sollen – Publikumsvertreter forderten sich für den Erhalt aller denkmalgeschützten Parkeinrichtung gleichberechtigt einzusetzen. Dies muss Bedingung für die Genehmigung der Landesdekmalschutzbehörde sein!
  • gegen die Verunstaltung der denkmalgeschützten Wohnhöfe
    Konkrete Antworten auch hier Fehlanzeige! Der 3. Wohnhof soll weiterhin mit wassergebundenen Boden versiegelt werden. Scharfe Kritik gibt es auch zur geplanten Wegeführung, die durch Wohnhöfe gehen soll und die Aufenthaltsqualität unatraktiver macht.
  • gegen die Nichtberücksichtigung eines Bürgertreffpunktes Regenschutzhalle
    Das Konzept wurde vorgestellt ohne dass hierfür deren Berücksichtigung erklärt wurde!
  • für den Erhalt des Großen Sandspielplatzes in bisheriger Größe
    Die nachträglichen Planänderungen der letzten Wochen sehen einen Minni-Sandspielplatz ohne Teehauspavillion vor. Konkrete Aussagen zur Größe des Sandspielplatzes blieben die Podiumsvertreter schuldig.
  • für den Erhalt des Diagonalweges auf der Großen Wiese
    Wurde bereits auf der Infoveranstaltung am 7.3.13 versprochen, der Erhalt des Diagonalweges ist immer noch nicht durch
  • für 11 Parkpflegebereiche (statt lediglich 3) der Bürgerparkgruppe Moabit
    Vertreter der Bürgerparkgruppe stellten ausführlich ihe bisherigen Parkpflegetätigkeiten vor und fordern weiterhin 11 Parkpflegebereiche, in deren die Parkgestaltung nur mit Zustimmung der Bürgerparkgruppe erfolgen soll! Andernfalls macht der ehrenamtliche Einsatz keinen Sinn!
  • gegen die vollständige Ignorierung der Berliner Klimaschutzziele bei der gesamten Parkplanung von Ottopark und Kl. Tiergarten!
    Der Forderung nach einem Klima-, Gesundheits- und Luftschadstoffgutachten wurde eine Absage erteilt, zu teuer, würde für übliche Parkanlagen nicht gemacht, sowie von der Senatsverwaltung nicht genehmiget werden und nicht in Auftrag gegeben werden! Der zuständige Bezirksstadtrat Herr Spallek erklärte, dass er zu Klimaschutzfragen im KTO keine Auskünfte geben kann und müsse erst mal seine Mitarbeiter dazu fragen!

Ferner wurden auf der Infoveranstaltung auch der vollständige Abriss des bewachsenen Knöterichgerüstes und der Nische der Tischtennnisplatten kritisiert (2 Tischtennisplatten sollen wie im Ottopark an den Weg). Es wurden kleine Teilöffnungen des bewachsenen Knöterrichtgerüstes vorgeschlagen.

Am 21. August 2013 um 17.30 im Rathaus Mitte stehen die Pläne im zuständigen BVV-Ausschuss „Soziale Stadt, Verkehr, QMs und Grünflächen“ auf der Tagesordnung.

Nach letzten Informationen findet erst jetzt eine ausführlichere Meinungs- und Willensbildung unserer gewählten Politiker statt – das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen. Wahrscheinlich wird es noch wichtige Anträge in der BVV zu den geforderten Planänderungen geben.

Die Zeit für die noch ausstehenden Planungsschritte der Ausführungsplanung (Feinplanung) und die Auftragsvergabe bis Weihnachten 2013 scheint wohl zu knapp bemessen zu sein.

Wir protestieren auch gegen die seit Beginn der Parkplanungen 2010 immer wieder vorkommende einseitige Berichterstattung im Sinne der Verwaltung und der Planer, zu der es am 6.8.2013 wiederum folgendes krasse Beispiel gab::

Artikel in der Berliner Zeitung:
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/kleiner-tiergarten-wasserspiele-mit-neun-fontaenen,10809148,23930020.html

Leserbrief zum Artikel der Berliner Zeitung:

http://silberahorn.wordpress.com/2013/08/08/leserbrief-an-die-berliner-zeitung/

Rudolf Blais

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2 Antworten zu Protest gegen den Entwurfsplan „Kleiner Tiergarten – östlicher Teil“

  1. Stand Anfang Oktober 2013

    Im Beirat des AZ Turmstrasse am 11.9.2013 wurde berichtet, dass alle Forderungen der Stadtteilvertretung AZ Turmstraße für eine Korrektur der Entwurfsplanung Kleiner Tiergarten Östlicher Teil abgelehnt werden, die Stadttielvertreter werden es noch schriftlich bekommen.
    Siehe Beschlüsse und Forderungen der Stadtteilvertretung in
    http://stv-turmstrasse.de/ag-gruen-2/
    In den Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte am 22.8.2013 und 19.9.2013 wurden wichtige BVV-Anträge zur Korrektur der Entwurfsplanung Kleiner Tiergarten Östlicher Teil, u.a. zu Erhalt von 40 Bäume mit B-Bewertung) abgelehnt. Ausführliche Darstellung in
    http://baumschutz.wordpress.com/2013/09/24/kahlschlag-rueckt-naeher/
    4 weitere BVV Anträge der Fraktion der Piraten Mitte werden frühestens in der BVV am 24.10.2013 behandelt und ggf. abgestimmt.
    Der aktuelle Stand zu den Planungen ist immer noch der vom Sommer, der fertige Entwurfsplan liegt noch nicht vor. Nach letzten Ankündigungen soll es im laufe des Monats Oktober 2013 soweit sein, der endgültige fertige Plan soll nochmals veröffentlicht und in die sechs Infokästen im Kleinen Tiergarten ausgehängt werden. Danach soll es in die Ausführungsplanung (Feinplanung) gehen.
    Eine aktualisierte Baumfällungsliste gibt es auf http://www.turmstrasse.de
    Es stehen jetzt 114 Bäume auf der Baumfällungsliste.

    Rudolf Blais

  2. Pingback: Helft, Moabits Kleinen Tiergarten zu retten! | Landwehrkanal-Blog

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